Altösterreichische Spuren in Grado: Mit dem Untergang der Venezianischen Republik im Jahre 1797 kam Grado an das Habsburgerreich, schon 1854 begann letzlich der Tourismus in Grado mit der Errichtung der ersten Badehäuser. Aufgrund des Bahnanschlusses an Görtz und Wien und des milden Klimas, der ionisierten frischen Meeresluft und des mineralienhaltigen Sandes wurde Grado schließlich 1892 vom Kaiser Franz Josef zum kaiserlichen-königlichen Seebad ernannt, per Erhebung zur „Kur- und Badeanstalt Grado“. Die lange Zeit als Fischerort war damit vorbei. Im ersten Weltkrieg ging Grado letzlich an Italien.

Im Praktischen Wegweiser „Nach dem Süden“ aus dem Jahre 1913 ist Grado folgendermaßen beschrieben:

2 St. Seefahrt von Triest entfernt; sanft abfallender, 1 km langer Strand mit Dünensand und 1400 Zelten. Artesischer Brunnen (217 m tief). Stadt mit altvenezianischem Charaktr; Domkirche mit altem Mosaikboden, Domschatz, Ausgrabungen.

Heute ist Grado eine faszinierende Mischung aus römischen, venezianischen, italienischen und österreichischen Stilen und Sehenswürdigkeiten, die man auf Schritt und Tritt sieht und fließend ineinander übergehen. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man viele altösterreichische Spuren, die sich über das gesamte letzt Jahrhundert und länger gehalten haben. In diesem Artikel möchten wir sie darauf aufmerksam machen und einladen sie bei ihrem nächsten Grado Urlaub aktiv zu begutachten.

 

Beginnen wir mit der alten Kaisertür, durch die der Kaiser seinen privaten Zugang zum Strand, der heutigen Spiaggia Principale, hatte. Obwohl sehr schön dekoriert und renoviert, kann es passieren, dass man einfach unbewußt vorbeigeht ohne sie zu bemerken.

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Die Kaisertür

Die Details an der Kaisertür sind eindeutig kaiserlich und Wert näher betrachtet zu werden.

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Das kaiserliche Wappen an der Kaisertür

 

Ebenfalls fast unbekannt ist die Tatsache, dass der alte Hafen in Grado einst gar kein Hafen war, sondern hier die Lagune begann. Die Westseite des heutigen Kanals war die Uferlinie. Österreichische Ingenieure errichteten das Ostufen und somit den schönen romantischen Kanal und den alten Hafen.

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Der von den Österreichern angelegte alte Hafen samt Kanal ins Zentrum der Insel

 

Die erlebnisreiche und bewegende Geschichte der Pension Fortino ist in diesem Beitrag näher beschrieben.

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Die Pension Fortino heute, noch immer in den gleichen Grundmaßen wie damals

 

Zur Unterstützung des aufstrebenden Tourismus wurde bei Belvedere, das ist der letzte kleine Ort vor der Gradeser Lagune, ein Bahnhof eröffnet. Von dort ging es bequem mit regelmäßig verkehrenden Dampfschiffen weiter auf die Sonneninsel Grado zum Urlaub. Der Ort Belvedere ist heute noch vorhanden, das Bahnhofsgebäude von einst ist umfunktioniert. Lediglich die Eisenbahnschienen kann man noch an einigen Stellen sehen. Über sie wurde der Fahrradweg angelegt, der entsprechend geradlinig von der Lagune durch den Ort Aquileia nach Norden verläuft.

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Die Reste der altösterreichischen Bahngleise. Damals fuhren sie bis nach Wien.

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Hier und da noch zu erkennen, überwuchert aber doch da

 

Einige der bekanntesten weil schönsten und auffallendsten Gebäude in Grado sind die Ville Bianchi. Diese wurden im Jahr 1900 von Baron Leonhard Bianchi im schlichten Jugendstil als privates Sommerdomizil errichtet und sind auch heute noch nach ihm benannt. Um 1978 wurden die Villen von seiner Familie verkauft , 1999 umfassend renoviert erstrahlen sie heute im alten/neuen Glanz und tragen eindeutig zur eleganten Atmospäre der Insel bei.

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Ville Bianchi Grado – Wunderschön wie einst

 

In Grado findet man auch auf Schritt und Tritt schöne Villen, die in zu Monarchiezeiten errichtet wurden – jede mit ihrer eigenen speziellen Geschichte. Heute sind die meisten davon schön renoviert, wie etwas die prächtige Villa Reale, die in den Jahren 1910 bis 1912 von einem österreichischen Architekten im Jugendstil errichtet wurde und damals Villa Imperiale hieß.

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Die prächtige Villa Reale in Grado

 

Ein besonderer Brauch, der an die Heurigen und Buschenschänke erinnert, hat sich bis heute gehalten und ist einzigartig, nicht nur in Italien. Die Tavernen und Lokale in Grado bekamen eine Laterne über dem Eingang, so dass sie auch bei Nebel und schlechtem Wetter von den Bewohnern und Gästen gefunden werden konnten. Die Laternen leuchten auch bei helllichtem Tag und dieser Brauch hat sich bis heute gehalten. Heutzutage wird die Laterne kaum beachtet, die Gradeser sind aber stolz auf diesen alten Brauch der in der österreichischen Periode eingeführt wurde.

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Brennende Laterne am Tag

Falls Sie noch weiter altösterreichische Spuren in Grado finden, schreiben Sie uns bitte oder hinterlassen Sie einen Kommentar.